1. Ausheulen 2. Aufstehen

1. Ausheulen

Ich bin irgendwie betäubt. Innerlich. So, weit weg von dem Wunsch. Und ich frage mich, wie das all die Frauen aushalten, die so viel länger für ihren Kinderwunsch kämpfen, ausharren, strampeln, hoffen. Nach dem ersten Mal war das Gefühl aushaltbar. Keiner kann damit rechnen, dass es beim ersten Mal klappt. Es war okay. Ein bisschen Enttäuschung, einen Tag. Aber im Grunde.. ja, okay. Jetzt beim zweiten Versuch sollte es nicht viel schlimmer sein. Sollte. Denn auch drei Versuche wären okay, oder? Andere halten so tapfer, soviel länger durch. Oder haben alle dieses Gefühl? Angst. Und gelähmt sein, weil frau keinen Einfluss hat. Das ist das Schlimmste für mich. Das nichts tun können. Der Natur, meinem Körper so ausgeliefert zu sein. Bestimmt liest sich das dramatisch. Übertrieben. Und ein bisschen, ja ein bisschen schäme ich mich auch. Weil es mir jämmerlich vorkommt und ich stärker sein wollte. Aber ich war auch nie vorher in dieser Situation. Konnte mir nicht vorstellen was das emotional in mir auslöst. Es graut mir davor wieder den Eisprung abzuwarten, wieder auf ein hübsches Ei zu warten, wieder zur Ärztin zu fahren, wieder zu hoffen, dass wir den Eisprung nicht verpasst haben, wieder auf diesem Stuhl, wieder diese Instrumente, wieder meine angespannte Frau, die versucht mir eine so große Stütze zu sein und dabei so viel tapferer ist, als ich.. wieder die halbe Stunde warten, wieder nach Hause und so tun als sei nichts passiert. Wieder Symptome haben, die keine sind, oder alles sind, oder nichts sind. Die wegignoriert werden müssen. Wieder Wunschgedanke von Realität trennen um kurz vor der Mens, doch ein bisschen Hoffnung zu haben, die dann jäh zerstört wird. Wieder diese Momente, in denen ich auf die Toilette renne, voller Panik um dann letztendlich doch das zu sehen, was ich um keinen Preis mehr sehen will, die nächsten zehn Monate. Wieder sieben Tage Schmerzen und die tägliche Erinnerung daran, es hat nicht geklappt. Oder es hat geklappt und es bleibt nicht. Wieder sieben bis zehn Tage anschließender Erholungsphase zum Kraftsammeln, Ovu’s in Urin tunken, den Eisprung abwarten.

Ich hätte nicht gedacht, dass das so anstrengend ist. Ich hätte nicht gedacht, dass ich all die „ach, es ist doch erst der xte Versuch“ die „du stresst dich zu sehr“, die „je mehr du dich stresst, desto unwahrscheinlicher ist es, dass es klappt“-s so schlecht aushalte. Dass sie mir das Gefühl vermitteln, als sei ich am Ende noch Schuld daran, weil ich es mir wünsche. Ich gebe mir Mühe die Gedanken im Zaum zu halten. WIrklich. Ich lenke mich ab. Gehe viel arbeiten. Ich beschäftige mich mit anderen Sachen. Und ich denke auch sicher nicht den ganzen Tag „Baby,Baby,Baby“ Ich habe durchaus andere Themen die mich beschäftigen und auch viel anderes das mich ausfüllt, erfüllt. Wir unternhemen tolle Sachen, ich bastel an meiner Karriere, ich liebe meine Frau, bekomme Besuch und habe Spaß und trotzdem… ist sie da, die Angst, die Sorge, der Wunsch. Latent. Und ich kann nichts tun.

2. Aufstehen- noch etwas wackelig…

Momentan schwirren viele Gedanken in meinem Kopf. Sicherlich auch der Gegebenheit geschuldet, dass erst gestern die Mens kam und die Enttäuschung dementsprechend frisch ist. Aber ich hätte gern Sicherheit. Ein wenig. Also denke ich über einen Hormonstatus nach. Und darüber abzuklären, warum es meine zweite Zyklushälfte auf maximal 11-12 Tage schafft. Es bleibt die Sorge, dass sich was einnistet, aber keine Zeit hat sich sicher zu vergraben oder, oder, oder. Eileiterdurchlässigkeit? Kontrastmittel oder gleich mit Bauchspiegelung? Nach dem dritten Versuch ivf? Oder die fünf voll machen? Die Finanzen sind hier kein außer Acht zu lassender Faktor. Und dazu kommt, extrem belastend, je später es klappt desto Schwieriger gestaltet sich meine Jobsituation.

So. DIe ersten zwei Schritte der „Ausheulen-aufstehen-Krönchen richten-weitermachen-Schrittfolge“ wäre hiermit erledigt.

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8 Kommentare

  1. ….tja – da bleibt mir nichts weiter zu kommentieren… denn du kennst jeden tröstenden, unterstützenden oder aufmunternden satz bereits… es tut mir leid für euch! für diesen versuch!
    ABER:
    ES WIRD KLAPPEN!
    egal wie! und das ist alles was zählt!!!!

  2. Achje… 😦
    Natürlich kenn ich die Gedanken! Bei der Kleinen war’s noch schlimmer, jetzt sind wir so vom „Leben“ abgelenkt, dass mir tatsächlich kaum noch Zeit zum Nachdenken bleibt. Und trotzdem schaffen es auch jetzt noch die Angst-Gedanken… Irgendwie permanent da zu sein. Geht alles gut? Werden wir im September tatsächlich Kind 2 im Arm halten?

    Einen Hormonstatus finde ich eine super Idee. Warum wurde das nicht vorher gemacht? Kenn ich eigentlich so, dass das so relativ die Basic-Diagnostik ist (getestet wird da neben Progesteron auch vieles anderes, LH, FSH, männliche Hormone usw usf.). Bei uns war es sehr sinnvoll, weil es uns bestärkt hat, dass die IVF der richtige Weg ist. Und auch grundsätzlich: Hormonell sollte eben alles passen, und da die Abklärung weder aufwendig (paar Röhrchen Blut) noch teuer ist (zahlt die KK), ist es definitiv empfehlenswert! Bauchspiegelung hätten wir eigentlich – nach Plan A – nach 3 Versuchen gemacht. Finde ich auch nach wie vor sinnvoll. 3 Versuche hätten uns noch nicht so arm gemacht, dass wir danach keine IVF mehr hätten machen können und ich denke, nach 3 Versuchen mit IUI hätte uns eine kleine Pause eh gut getan, in der wir dann eben Diagnostik betrieben hätten. Kenne ich so eigentlich auch von vielen anderen Paaren. Klar, eine Bauchspiegelung ist jetzt nicht die Mörder-OP, aber es ist und bleibt eine OP mit Narkose und meiner Meinung nach sollte man das nicht vorschnell machen. Kontrastmittel würde ich persönlich lassen – liegt aber auch daran, dass wir das hätten selbst zahlen müssen (irgendwas um die 150 Euro) und mir dafür die Aussagekraft zu lasch/Fehleranfälligkeit zu groß ist.

    Äh, selbst schuld daran, dass es nicht klappt – nunja. Ist irgendwie der Klassiker. Nette Antwort (gerne auch biestig) zurechtlegen und fertig. Nicht weiter drüber nachdenken. Gerade, wenn solche Aussagen von Leuten kommen, die eh „nur“ nach Lust und Laune rumvögeln müssen, um innerhalb von 1-3 Zyklen schwanger zu werden.

    Ob und wann IVF ist eine wirklich schwierige Frage. Vorher würde ich definitiv nochmal ausführliche Diagnostik empfehlen (Blutgerinnung, Hormonwerte bis zum Abwinken, Ultraschall, Gebärmutterspiegelung). Und ihr müsstet auch in eine Kinderwunschklinik, oder? Normalerweise wartet man da ja doch einige Zeit auf einen Ersttermin. Ob das dann also „schneller“ geht? Der große Vorteil ist: Wenn man gut stimulierbar ist, reichen die Embryonen evtl. noch für Geschwisterchen. Tja, und da ist auch der Haken: Man weiß das leider erst nach der Stimulation. Und eigentlich sogar auch erst nach der Befruchtung, denn die Eizellen werden ja nur eingefroren, wenn sie auch befruchtet wurden. Da ist es dann im Zweifelsfall auch zu spät…

    An eurer Stelle würde ich jetzt mit (noch mind. einer) IUI weitermachen; parallel oder in einem Pausenzyklus mal Diagnostik betreiben (Hormonwerte ganz dringend!!!) und schon jetzt mal einen Termin im Kinderwunschzentrum vereinbaren (wegen der Wartezeit auf den 1. Termin). Den könnt ihr ja immer noch absagen, oder nach dem 1. Termin erstmal noch ein oder zwei Monate warten. Das ist alles kein Problem.

    Was sagt denn eure Ärztin zu den kurzen 2. Zyklushälften? Und ja, da hast du schon recht – es kann halt tatsächlich sein, dass die 11-12 Tage nicht ausreichen. Klar gibt es Frauen, die auch mit solchen 2. Zyklushälften schwanger werden (wobei man ja im Nachhinein nie sagen kann, wie lang die 2. Zyklushälfte ohne Schwangerschaft gewesen wäre – vielleicht wäre sie da mal gut gewesen und es hat deshalb geklappt?). Aber optimal ist eben 13 Tage aufwärts.

    Eine andere Idee: Vielleicht mal mit leichter hormoneller Unterstützung? Clomi oder evtl. sogar Bravelle (falls es immer noch das günstigste FSH-Präparat ist)? Könnte man auch ganz einfach so machen, dass du mit niedriger Dosis anfängst und man den Kontrollultraschall dann eben kurz vor der IUI macht – mit dem Risiko, dass es zu viele Follikel sind und abgebrochen werden muss (aber das hat man bei Stimulation ja immer).

    So, ich hoffe, irgendwas davon hilft euch weiter. Sorry, dass es wirr ist. Mein Kopf ist wie Brei (Bananenbrei? :D) und ich bin immer noch krank, also keine Garantie für garnix 😉

    Ich drück euch die Daumen, dass ihr – auf welchem Weg auch immer – bald zu eurem Krümelchen kommt!

    1. Vielen lieben Dank für Deinen ausführlichen Kommentar (besser spät als nie- also meine Antwort darauf 🙂 )! Hat mir wirklich sehr weiter geholfen und ich habe all die Info’s mit der Liebsten bequatscht und sie sacken gelassen.. Wir befolgen Deinen Ratschlag und hoffen das Beste!

      1. Naja, wir stellen jetzt vermutlich einen Befangenheitsantrag. Hat uns der LSVD empfohlen… Das Problem ist: „Solche“ Richter finden immer wieder was neues, um die Sache rauszuzögern und entweder – wenns noch gut läuft – stimmen sie der Adoption dann letztendlich doch zu, oder sie lehnen sie nach einer halben Ewigkeit ab. Und darauf haben wir echt keine Lust.

  3. hey ihr beiden – wie geht es euch???? bin auch weniger im forum unterwegs… unsere traurigkeit ist noch immer sehr greifbar…. habt ihr schon einen plan gefasst, wie und wann es weitergeht? oder geht es euch wie uns, und diese entscheidung fällt schwer!?
    die nächsten beiden termine sind bei uns auch sehr wackelig im bezug auf „zeit“ der ärztin…. das war ja bei euch glaube ich ähnlich…
    ich wünsche euch das allerbeste!!!!
    liebe grüße – – spritney

    1. Hallo, liebe Spritney! Ja, es tut mir auch so leid für Euch (auch wenn das nicht viel hilft, wie wir alle wissen)… Ihr seid jetzt bei Versuch 4 oder 5 gewesen? In Bezug auf das Zeitproblem der Ärztin haben wir auch arg gebibbert.. Heute morgen hat der CB gelächelt. Morgen fahre ich hin… Passt also noch. An mehr denke ich noch nicht. WIr hatten uns ja von vornherein auf drei Versuche „ohne Alles“ entschieden. Deshalb nehme ich den Termin jetzt noch mit, ohne groß darüber nachzudenken… Ich hoffe ihr erholt Euch bald von der Traurigkeit und findet den für Euch richtigen Weg. Ich drücke Euch die Daumen!

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