Ein Lebenszeichen

Ja, es ist still geworden. Eigentlich war es gar keine bewusste Entscheidung mir ein bisschen Zeit zu nehmen und all die Gefühle, Erfahrungen und Momente sacken zu lassen. Aber es kam wie es kam 😉

In der Zwischenzeit ist, wer hätte das gedacht, allerhand passiert. Hauptsächlich in meinem Kopf. Und es war wirklich dringend notwendig zur Ruhe zu kommen.

Die letzten Wochen, eigentlich das gesamte bisherige Jahr hat sich für mich wie ein einziger Kampf angefühlt. Ich habe auf der Arbeit kämpfen müssen, für das Studium bin ich nur gerannt, ich habe für Freundschaften gekämpft und am allermeisten habe ich gefühlt für den Kinderwunsch gekämpft. Mit etwas Abstand betrachtet war dieser Strudel aus Angst und Sorge ab und an sicherliche ein wenig überzogen. Auf der anderen Seite, so hat es sich für mich eben angefühlt. Und in der Hauptsache geht es ja darum, dass der Ist-Zustand ein aushaltbarer ist. Und das war er so überhaupt nicht mehr.

Und auch das musste ich, als extrem ehrgeiziger Mensch erst mal begreifen. Es geht (für mich) nicht darum an vierzehnhundert Baustellen, alles möglichst zur Zufreidenheit aller anderen, möglichst perfekt zu erledigen. Es zwingt mich niemand 60 Stunden in der Woche zu arbeiten, abgesehen von mir selbst. Und es ist mehr als verständlich, dass ohne Zeit für die Beziehung, für mich selbst, meine eigenen Träume und Wünsche irgendwann mal der Akku leer ist. Und genau das ist passiert. Ich war ständig krank. Unentwegt hat es woanders geziept und dieses andauernde Gefühl, dass ich es nicht schaffen kann. All das hat dazu geführt, dass ich über den Kinderwunsch gar nicht mehr nachdenken wollte. Neben all dem anderen Chaos, hatte ich den Eindruck, dass der Kiwu nur noch ein zusätzlicher Stressor ist, den ich auch noch abhaken muss. Ich will nicht den Termin für die nächste IUI auch noch als nervigen Tagesordnungspunkt sehen, der auf meiner To-Do-Liste auf Platz x steht.

Der Moment in dem ich mich entschieden habe den Kiwu Kiwu sein zu lassen, den empfand ich als unheimliche Entlastung. Vor allem deshalb, weil ich am allerliebsten grundsätzlich gar keinen einzigen Punkt mehr auf der Tagesordnungsliste gehabt und mich stattdessen lieber in einer gemütlichen Höhle, ohne Zugang zur Außenwelt, verkrochen hätte. Mit etwas gedanklichem Abstand bin ich aktuell damit beschäftigt den Stress Schicht füt Schicht abzutragen. Das Studium pausiert für dieses Semester. Nach langem hin-und herwälzen aller Möglichkeiten, habe ich beschlossen, dass ich es verdient habe endlich  mal ein bisschen Zeit für mich zu haben um wirklich zu Kräften zu kommen und Zeit zu haben über das nachzudenken, was ich eigentlich möchte.

Ich gehe weiterhin arbeiten und den Rest der Zeit schaue ich nach mir. Ab nächsten Jahr werde ich hoffentlich in eine andere Abteilung kommen und für das kommende WIntersemester bewerbe ich mich auf einen Platz eines hauptsächlich onlinebasierten Studiums, dass ich in Teilzeit absolvieren kann.

Und ganz langsam bekomme ich wieder ein Gefühl für unseren Plan eine Mama-Mami-Kind-Familie zu werden. Die Ängste werden weniger und ein leises Lächeln wächst in meinem Kopf. Weil ich weiß, dass ich mir den Stress oder „Nicht-Stress“ alleine einteilen kann. Weil ich, ohne die zwei- bis dreistündige Pendelei in die Studierstätte, besser Leistung bingen kann. Weil es weniger stresst, wenn ich weiß, dass ich neben der Arbeit in Ruhe studieren kann. In meinem Tempo, ohne aufgezwungenen Semesterwochenstundenplan. Und wenn der Babywunsch dann wieder glücklich macht, dann muss er auch keine Angst mehr machen. Weil es dann in Ordnung ist, dass ich pausiere in der Uni, oder eben locker von zuhause aus auch nur ein Modul pro Semester machen kann. Ich fühle mich ein bisschen weniger eingequetscht. Und das ist ein gutes Gefühl.

Aber natürlich hört der Wunsch nach einem Kind nicht einfach auf. Die Sehnsucht ist immer dann wieder super präsent, wenn ich Mütter mit ihren Kindern sehe. Und dann denke ich, ich will auch. Unbedingt. Aber dann denke ich eben auch, ich will das entspannt haben können. Ich möchte mich freuen, das Schwangerwerden und die Schwangerschaft an sich nicht mit Ängsten verbinden. Und ich will auch nicht mehr diese IUI-Sache. Das scheint nicht der richtige Weg für uns/ für mich gewesen zu sein.

In naher Zukunft werde ich mich also stattdessen mit ivf beschäftigen und schauen, wie das wo am Besten geht. Was es kostet. Auf was wir uns einstellen müssen.

Und wenn es sich dann richtig anfühlt, dann werden wir loslegen.

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