Wir brauchen Samen! Oder: Es kann FAST losgehen

Das hier könnte ein riesen großer Beitrag werden. Könnte. Aber erst mal ein paar Grundinformationen zur groben Orientierung.

  1. Heute war der zweite Termin im Kinderwunschzentrum.
  2. Ich habe die übrigen Samenbanken abtelefoniert und bin entrüstet.

Ich beginne in der zeitlichen Reihenfolge bei 2.

Samenbank. Es ist unerhört. Sowas von diskriminierend und unverschämt, wie man als lesbisches Paar zur Kasse gebeten wird. Das erste Mal ist mir das im Kinderwunschzentrum Wetzlar aufgefallen. Das zweite Mal bei der Wahl der Samenbank. Obwohl hier nicht wirklich von Wahl gesprochen werden kann. Und das macht mich unsagbar wütend!

Also: Letzte Woche habe ich von der Samenbank A die Information erhalten, dass das Prozedere abläuft, wie hier beschrieben. Und habe mich bis dato am meisten aufgeregt über die langen Wartezeiten, war aber vom finanziellen Aspekt her noch recht positiv überrascht. Nun, habe ich heute noch einmal angerufen um sicher zu gehen, dass die Information auch für uns als lesbisches Paar gilt. (Es wurde vorab ein Foto von uns als Paar gefordert, so dass dann der Spender passend zu unserer Optik ausgewählt werden kann… Also dachte ich, besser noch mal nachgefragt.)

Ich rufe also an, frage nach ob es Möglichkeiten gibt als lesbisches Paar Samen zu erstehen. Da ist die Antwort doch tatsächlich „Nein, wir haben einen Aufnahmestopp von neuen Patient_innen und vermitteln nur noch an die, die schon registriert sind!“ Ihr könnt euch  meine Überraschung vorstellen. Schließlich war es keine Woche her, dass ich einen kompletten Ablaufplan erläutert bekam. Gut, ich habe die Dame auf den Umstand angesprochen, aber das war ihr nicht mal im Ansatz unangenehm. Sie hat das dann bejaht und darauf verwiesen, dass es ja laut einem neuen Urteil so schwer sei Spender zu finden und das sei bei uns ja eine besondere Situation, die das alles noch erschwert. Ich habe nachgefragt, ob ich das richtig verstanden habe, dass heterosexuelle Paare durchaus behandelt wrden, nur lesbische nicht. Das hat sie mit „ja“ bestätigt. Da war ich dann erst mal baff.

Getoppt wurde das aber noch von Samenbank B in NRW. Nachdem ich erst mal an die hauseigene Therapeutin verwiesen wurde (das ist bei allen lesbischen Paaren so) hat sie mir erzählt, was es von unserer Seite alles braucht um bei ihr „und es ist ganz wunderbar, dass wir es bei der schwierigen Situation immer noch schaffen Spender zu überzeugen, dass ihre Rechte geschützt sind und sie mit keinen Unterhaltsforderungen zu rechnen brauchen!“ Samen zu erwerben!

  1. eine (eigentlich persönliche) Telefonberatung zu dritt (wie großzügig!) für knapp 100 Euro. –> Hier werden dann eine Menge privater Fragen gestellt. Ihre Worte waren: „Wir müssen dann unsere Lebensgeschichte offenlegen.“ Dann würde sie einen Bericht schreiben, der dann an die Ärzte und Biologen der Samenbank geht und die schätzen dann das Risiko ab.
  2. Eine Unterhaltshaftungsperson muss aufgetrieben werden. (Falls sich außer mir noch jemand fragt was das ist) Eine vermögende Person, die im Fall der Fälle für erklagten Unterhalt des Kindes aufkommen wird. Es wäre unsere Aufgabe jemand passenden zu finden und denjenigen dann zu überzeugen, dass er/sie sich keine Sorgen machen muss.
  3. Eine Risikolebensversicherung, die im Falle des Todes einer der Partnerinnen 150.000 Euro ausschüttet.
  4. Fahrt nach Köln zur hauseigenen Notarin „die macht das wirklich ganz, ganz toll!“ Kosten ca. 300,-
  5. Die Verwaltungsgebühr OHNE Sperma, OHNE Versand liegt bei läpp’schn 5000! Euro.

Findet da noch irgendjemand Worte. Mir sind vor Schreck alle im Halse steckengeblieben und nach dem freundlichen verabschieden, dachte ich mein Hamster bohnert.

So und jetzt ist es so viel geworden, dass ich das 1. doch in einem neuen Beitrag schreibe. Möp.

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7 Kommentare

  1. Einfach unfassbar…
    Bei dieser krassen Diskriminierung sind wir froh, nach Spanien gegangen zu sein. Und so viel teurer ist es dort im Endeffekt auch nicht. Außerdem werden wir genauso behandelt wie alle anderen auch und es gibt keine Spermawartezeiten.
    Wir hoffen ihr bekommt bald eine freundlichere, fairere und nicht diskriminierende Behandlung an eurem Wunschort.

  2. Wie unverschämt ist das denn? Dürfen die überhaupt filtern, wen sie behandeln? Das ist doch für deren Job ziemlich egal, ob du nun eine Frau oder einen Mann liebst! Ich drück die Daumen, dass ihr bald an eine weniger dämlich Klinik geratet…

    1. Jede einzelne Samenbank hat mir das Gleiche erklärt. JA, sie dürfen das, weil sie sich damit absichern vor Unterhaltszahlungen und was weiß ich nicht noch allem. Aber am Ende geht das eben nur, weil die Pute von Angie meint, sie hätte kein gutes Gefühl bei der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. hmpf!

      Vielen Dank für’s Daumendrücken 🙂

      1. Ehrlich gesagt – die Samenbanken kann ich irgendwo verstehen. Die rechtliche Lage ist mehr als bescheiden, bei samenspende schon grundsätzlich – und bei frauenpaaren doppelt und dreifach, weil erst noch die doofe Adoption ansteht, die ja absolut null „sicher“, „garantiert“ oder „immer schnell“ über die Bühne geht. Bis da rechtlich alles in trockenen Tüchern ist, vergeht einfach extrem viel Zeit, in der sonstwas passieren kann – während bei einem heteropaar der Vater sofort die Vaterschaft anerkennen kann bzw dies Automatisch passiert (Ehe). Dass da der Gesetzgeber mal gefragt wäre, grundsätzlich vernünftige Regelungen zu finden, ist klar -traurigerweise ist das nicht erst seit gestern bekannt. Interessiert nur leider niemanden. Und schon garnicht die dämliche Pute…

  3. Das ist auch ein Grund, warum wir uns für Dänemark entschieden haben. Wir haben auch bei einigen deutschen Samenbanken angefragt und es wurde uns ebenfalls viel erzählt von Notarverträgen, usw.
    Gereicht hat es uns dann, als wir bei einer Kinderwunschpraxis angefragt haben und der Arzt antwortete, wir könnten drüber reden, aber nur über seine private E-Mail-Adresse…wie jemand, der etwas illegales tut, wollten wir uns dann nicht behandeln lassen.
    In Dänemark war alles selbstverständlich und entspannt, das würde ich immer weiterempfehlen.
    Euch drücke ich die Daumen, dass ihr schnellstmöglich weiterkommt in eurer Planung 🙂

    1. Danke sehr für’s Daumendrücken! 🙂
      Ich kann Eure Entscheidung total gut nachvollziehen! Eine Schande, dass es hier nach wie vor so ein Problem darstellt. Und das im 21. Jahrhundert. Peinlich!

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