Monat: Oktober 2015

A B S A G E

Soeben mit der Samenbank „letzte Chance“ telefoniert.

„Leider keine guten Nachrichte Frau X. Unser Notar rät uns dringend davon ab und ich habe auch keinen Arzt gefunden, der das Risiko eingehen würde. Wir können Ihnen kein Samen liefern. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.“

Was sollen wir jetzt tun? Nach München fahren zum Erstgespräch und über 800,- Verwaltungspauschale zahlen?

Die Kiwu-Klinik wechseln, wo wir uns doch so wohl fühlen? Wenn ja, wohin? Ich werde es zeitlich niemals schaffen in einem anderen Bundesland alle Kontrollen, PU und Transfer machen zu lassen. Mein neuer Job lässt mir da kein Zeitfenster und jetzt geht auch das Studieren wieder los.

Ich habe es so satt! Ich will mein Baby!

Ernüchtert!

Wir warten. Gefühlt warte ich ja schon seit drei Jahren. Aber jetzt… nach all den Rückschlägen, Diskussionen, Aushandlungen und negativen Tests, jetzt dachte ich wirklich, es geht bald los.

Jetzt warten wir auf das Okay der einen Samenbank, die noch keine lesbischen Paare behandelt hat und rechtlich noch keinen Schimmer hat, was es zu beachten gibt, bei Verträgen mit dieser besonderen Spezies. Es macht mich rasend (obwohl es natürlich von der Bank an sich ein feiner Zug ist, sich überhaupt mit der Thematik auseinander zu setzen. Müssten sie ja nicht!). Jedenfalls, macht es mich sauer dieses Warten. Diese Ungerechtigkeit.

Jetzt müssen sie also aushandeln unter welchen Umständen sie uns Samenproben verkaufen. Da muss mit dem Notar auf der einen und unserer Kinderwunschklinik auf der anderen diskutiert und ausgelotet werden. Was tun wir in der Zwischenzeit? Genau, warten! In erster Linie darauf, dass unser behandelnder Arzt wieder aus dem Urlaub kommt (wahrscheinlich erst im November) denn ohne ihn wird nicht verhandelt. Ohne ihn schweben wir weiter in dieser grauen Blase aus Frustration und Samenlosigkeit. WIr haben nichts in der Hand. Keine Vorstellung davon, in welche Richtung es gehen könnte.

Und dann ist auch noch Tag der deutschen Einheit und in das nicht so sehr weit entfernte Rhein-Main-Gebiet, kommt Angi zu Besuch. Die Wurzel allen Übels. Zumindest aber, die Wurzel für meine ganz eigene Misere und ich bin noch wütender. Darüber, dass die über rote Teppiche schreiten darf, und so tut, als sei sie der heilende Balsam für die Probleme der Welt. Argh! Nun gut. Ich kann nicht gut mit Ungerechtigkeiten und Benachteiligungen- konnte ich nie.

Wir warten weiter und ich versuche irgendwie dieses Gefühl von 2. Klasse Mensch und institutionalisierter Ausgrenzung zu überwinden.

Und weil ich gerade so schön drin bin: Ich will gleiche Rechte für alle!  Und deshalb will ich auch die EHE für alle, die sich lieben. Ganz gleich welchen Geschlechts. Ich will, dass ich selbst entscheiden darf, mit wem ich eine Familie gründe. Ich will nicht mehr, als im Gesetz ohnehin sowieso schon steht. Dass alle Menschen gleich sind  (GG;Art. 3) und weil alle Menschen gleich sein sollen, möchte ich auch gleich behandelt werden. Mehr nicht!