Monat: Juni 2016

ivf – Klappe die zweite!

Heute ohne viele Worte, weil in wenigen Tagen Abgabe meiner Master-Arbeit ist und ich sag mal so: Es wird ein kleines Wunder sein, wenn ich die fristgerechte Abgabe schaffe.

 Aber soviel sei gesagt: Die zweite Runde hat offiziell begonnen. Die erste Spritze gab es heute morgen, kurz nach dem Aufstehen. Auf die nächsten 4 Wochen! Yai.

Ach ja und noch eine Neuigkeit. Ich bin jetzt auch auf instagram aktiv 😆 spannend ist es dort und lenkt nur ganz wenig ab 😂

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Angst. Sehnsucht.

Gestern kamen die Medikamente für den nächsten, den zweiten ivf-Versuch an. Den Abend davor waren wir auf dem ersten Geburtstag des Sohnes einer guten Freundin meiner Frau. Natürlich waren viele Kinder da. Natürlich viele Mütter. Die Kinder waren süß, quitschvergnügt, mampfend, lachend und auf Hüpfburgen hüpenfd voller Lachen und so viel Kinderglück. Zwischen lauter Mami’s fand man sich dann schnell in Unterhaltungen die sich darum drehten, wie faszinierend es ist, dass jetzt alle Kinder haben. Wie froh man als frische Mama ist mal in Ruhe duschen zu können. Wie schön es ist, wie wundervoll. Wie groß die Liebe und wie unverhofft die Schwangerschaft der einen oder anderen. Wie schön der erste Geburtstag war und wie toll es ist, wenn die Kleinen dann auf einmal laufen. Die Welt erkunden, auf Vögel zeigen. Die Mami’s haben gekuschelt und geküsst, stolz vorgestellt und vom Flur aus gewunken.

Und ich. Ich habe gelächelt. Mich viel um das Geburtstagskind gekümmert. Verständnisvoll genickt und mich in Witze gerettet. Mir haben die Wangen geschmerzt vor lauter Grinsen und am Ende war ich dermaßen erschöpft.

Sehnsucht nach unserem Baby hab ich schon lange. Und manchmal auch Angst davor, dass es vielleicht nicht klappt. Aber das gestern, nachdem der Postbote das Päckchen voller ivf-Medis vorbeigebracht hat und ich mich deshalb  erschöpft aus dem Bett quälen musste, das Gefühl hatte eine neue Qualität. Ich habe wirklich Angst. Weil ich dazu gehören möchte. Weil ich auch so gern Mutter sein würde. Weil ich nicht daran denken mag, was es mit mir macht, wenn es nicht klappt und sich der Gedanke doch aufdrängt. Was machen wir? Der Gedanke ein Pflegekind aufzunehmen steht im Raum und ja, ich empfinde es als tollen und wertvollen Weg. Dann wenn wir unseren Kinderwunsch überwunden haben, weil ich keinen Ersatz möchte. Aber was, wenn das wirklich, wirklich eintritt.

Kürzlich habe ich mich mit einer sehr guten Bekannten unterhalten, eher offenbart. Weil es ja helfen soll über den Kiwu zu sprechen. Und dann habe ich es gleich wieder bereut. Unterm Strich habe ich einen tollen Ratschlag bekommen. Das eigene Gefühl beeinflusst das Kinderkriegen ganz doll. Stay positive! Und ich kann vor Zynismus triefend gar nicht sagen, wie viel besser es mir nach diesem gut gemeinten Schlag ging. Die Lösung liegt also ganz nah. Einfach lächeln und dran glauben. Dass ich das seit zwei Jahren tue, ganz besonders beim letzten Versuch, hat dann auch nichts mehr an der Reaktion geändert und auch nicht dazu geführt, dass ganz rational betrachtet, das wohl nicht der Grund für die Kinderlosigkeit ist. Obwohl schwanger geworden bin ich ja.

Meine Frau war kürzlich bei unserer Gynäkologin, der die vor zwei Jahren die erste und die drei folgenden IUI, bei mir vorgenommen hat. Was war sie überrascht, dass es noch nicht geklappt hat. Und hat, genau wie unser Kiwu-Doc gefragt, ob wir nicht mal die Gebärmutter wechseln wollen. Nein! Wollen wir nicht! Und was soll das heißen? Dass meine nicht mehr so fit ist? Dass sie meine aufgegeben haben? Solche und andere fiese kleine Gedanken wälzen sich in meinem Kopf.

aktueller Tatbestand

Es ist recht viel zur Zeit. Der Fuß, der so rumhumpelt und ziept und nicht abschwellen mag. Die Masterarbeit, die in knapp 30 Tage abgegeben werden soll. Die Arbeit- wie immer das leidigste (und für mich gerade unwichtigste) aller Themen. Und aktuell am schmerzhaftesten. Der Kinderwunsch. Diese unglaubliche Sehnsucht. Dass es weiter geht. Dass wir schwanger sind. Dass es bleibt, das Baby- unser Kind wird. Auf die Welt kommt und wir zu dritt sind. Aktuell ja, da ist alles dunkel oder  rosa. Die (kinderlose) Realität wirkt bedrohlich und der Wunsch nach rosaroter Dreisamkeit verzaubert meinen Alltag.

Letzte  Woche waren wir in der Kiwu und haben das weitere Vorgehen besprochen. Wir setzen auf ein langes Protokoll, unser Doc erspricht sich wie erwähnt eine höhere Befruchtungsrate. Damit können wir diesen Monat anfangen. Das wäre zeitlich ziemlich nach am Abgabetermin der Masterarbeit, dafür kämen wir aber nicht mit Urlaubssperren und anderem Kram in Konflikt. Oder aber wir warten noch bis nach der Masterarbeit. Hätte zur Konsequenz, dass wir vor Oktober bzw. November keinen Transfer realisieren könnten. Und wie sich November im Kopf einer Kinderwunschpatientin anhört, das kann man sich ja vorstellen.

Also Juni. Der erste Spritzentag mit Deca wäre dann der 27. Juni (zwei Wochen) und weil ich das schon alles wuppen werde (wenigsten weiß ich dann wofür es sich lohnt, dass ich so in die Tasten haue!) wird da auch einfach begonnen. Je nach Mensbeginn wird die Punktion dann so gegen 26. Juli laufen. So ein langes Protokoll ist aber auch echt lang.

Nun komplikationslos ist ja nicht so unser und so haben sich auf einmal ein paar neue Fragen aufgetan, nachdem unser Plan soweit klar war:

ivf mit langem Protokoll, bisschen Überstimu einkalkuliert, Pause und Erholung und im nächsten Zyklus Transfer mit 2 Blastos. Grund: Nach dem kurzen Protokoll bzw. der letzten Punktion hatte ich schon relativ schmerzhafte Überstimu-Symptome. Eins, zwei Tage konnte ich nur mit Hilfe und unter enormen Schmerzen aufstehen, nach einer Woche war es dann soweit okay, dass wir uns für einen Frischtransfer entschieden haben. Wie der geendet ist, ist ja bekannt. Im Kryoversuch habe ich mich besser gefühlt (klar, hatte ja auch keine Symptome von OHSS oder Punktion..) und deshalb dachten wir, diesmal keinen Frischversuch. Mit dem langen Protokoll soll die Gefahr des OHSS größer sein.

Jetzt gibt es aber zweierlei zu Bedenken:

1. Hat der Doc icsi statt ivf in den Raum geworfen. Wir hatten eine Befruchtungsrate von 7 aus (ich glaube) 16. Laut ivf.Register sind die Erfolgsraten für eine Schwangerschaft nicht signifikant höher durch icsi. Er erhofft sich aber mehr EZ für Kryos. Wir tendieren eigentlich zur ivf. So unwissenschaftlich haben wir das Gefühl es kommt eher zusammen was zusammen gehört, oder so…

2. Habe ich dann weiter im ivf-Register nach Zahlen geschaut und feststellen müssen, dass die Chance mit über 41% im Frischversuch gegenüber unter 28% im Kryoversuch doch schon signifikant höher ist. Bei der Rate Klin. SS/ET in Abhängigkeit von der Anzahl übertragener Embryonen (bei uns 2) und Altersgruppen (30-34) (vgl. DIR 2014: 26f.). Das hatte ich so nicht mehr auf dem Schirm. Also doch ein Frischveruch mit zwei Embryonen im langen Protokoll. Mist.

Müßige Frage: Aber warum nicht einfach Sex haben und wundertolle Regenbogenbabys produzieren? 😉

Und alles in allem: Ich hab sowas von keinen Bock auf eine ivf/icsi! Mir graut es vor allem. DIe Spritzen sind noch das geringste Problem, aber das unwohl fühlen, die Stimmungsschwankungen, die Zunahmen, Punktion, Narkose, Schmerzen und alles überhaupt. Aber was soll man machen. Nur kein Baby haben, darauf habe ich noch weniger Bock.