Monat: Juli 2016

Kryo oder doch ein Frischversuch?

Die Fakten: Es sind statt der acht erwarteten Eizellen, neun geworden. Das war schon mal ein Grund zur Freude. Aus dem wenigstens in Ansätzen erfolgreichen Kryo-Versuch und vorallem deshalb, weil es mir bei der ersten IVF echt mega schlecht ging, war für diesen Versuch eingeplant die Blastos zu frosten und dann nach dem Urlaub eine Kryo zu machen.

Jetzt geht es mir aber eigentlich sehr gut. Minimales Zwicken und sonst sehr entspannt in der Bauchgegend. Die Gebärmutterschleimhaut ist spitze aufgebaut und ja, die Eierchens wachsen aktuell in der Petrischale vor sich hin.

 

Also drängt sich die Frage auf. Doch ein Frischversuch? Das Problem? Zweierlei..

  • Erstens: Die Liebste hasst Planänderungen aus ganzem tiefsten Herzen und ist eine absolute Sicherheitsfanatikerin. Sie tut sich also sehr schwer damit, dass es unter Umständen (und noch möchte ich nur mal darüber sprechen) anders kommt als geplant.

Ich hingegen höre am liebsten auf mein Bauchgefühhl und man kann nie so dumm denken wie es dann kommt. Ich hätte niemals erwartet, dass es mir nicht hundeelend gehen wird nach der Punktion.

  •  Zweitens: Wir wollen in den Urlaub. Da ist schon alles gebucht. Tolle Privat-Finca auf Mallorca. Das bedeutet mit Flug. Der würde so ca.2,5 Stunden dauern. Ich bin da nicht soo ängstlich und denke, wenn der Krümel deshalb verschwinden würde, dann wäre er wahrscheinlich sowieso gegangen. Und vielleicht hilft gerade die Entspannung im Urlaub? Sonne, Liebe, Meer… Aber sicher wissen kann man es natürlich nicht zu 100%. Weshalb das irgendwie doch eher gegen einen Frischversuch sprechen würde. Oder doch nicht?

Ja, damit vertreibe ich mir so den Sonntagnachmittag. Tüdelü. Es ist ein Fest! Nicht!

Von ivf zu icsi in zehn Sekunden

Ja, die Stimulationsphase ist vorüber. Man könnte sagen „endlich!“ es ist ja doch eine Menge an Medikamenten und Sritzen zusammengekommen. Leider hat sich beim ersten Ultraschall schon abgezeichnet, dass es keine besonders große Ausbeute an Eizellen geben wird. Nachdem ich dann zusätzliche drei Tage weiterstimulieren sollte- wofür wir neue Medikamente bestellen mussten- hatte ich dann am Montag noch einen Ultraschalltermin. Da meine Frau arbeiten musste, bin ich alleine hin, was aber kein Problem ist… Die frühere Aufregung ist geschäftiger Gelassenheit gewichen. Der Schall brachte keine neuen oder erfreulichen Erkenntnisse. Der Arzt konnte maximal 8 mit viel Goodwill 10 Follikel erkennen. Groß genug waren sie auch nicht und das nach dem Protokollwechsel. Der Doc war sehr erstaunt und meinte, dass in der Regel bei dem langen Protokoll mindestens soviele Folliel entstehen wie bei dem kurzen, auf das ich ja sehr gut angesprochen habe. Das Ergebnis bedeutete für mich noch mal neuen Medikamente kaufen. Noch weitere drei Tage stimulieren. Ich habe im Anschluss an die Untersuchung nach zusätzlichen Wegen gefragt. Abzuklären versucht an was es denn liegen könnte, wenn es wieder nicht klappt. Er hat dazu eigentlich nicht so viel gesagt. Außer, dass es eben Frauen gibt bei denen es auch ohne groß ersichtlichen Grund nicht klappt. Ernüchterung auf ganzer Linie. Dafür habe ich ein niedrig dosiertes Cortison mitbekommen und ASS. Beides für die Kryo, die der Punktion im Folgezyklus folgen soll. Bei beidem weiß ich nicht, ob ich es nehmen soll. Ich habe den Eindruck, dass mein Körper am besten läuft, wenn man ihn in Ruhe lässt. Und das Ergebnis dieses hormonbepackten ewiglich langem Stimulationszyklus gibt meinem Gefühl doch wohl ein bisschen recht.

A b e r, hier greift natürlich das klassische Kinderwunschdilemma-Gedankenkarussel: was wenn es doch helfen würde? :/ mööp.

Hat jemand Erfahrung mit derlei Mittelchen?

Nachdem das alles geklärt war, haben ich den Auslöse- und Punktionsvorbereitungszettel ausgehändigt bekommen. An dieser Stelle kam es zu einer positiven Wendung. Aufgrund der schlechten Ergebnisse haben wir von dem Kiwu-Zentrum das Angebot einer ICSI bekommen, deren zusätzlichen Kosten die Kiwu für uns übernimmt. Das finde ich sehr toll und super entgegenkommend.  Vielleicht sind die Chancen dann doch nicht so gering, dass sich mehr als 50% der Follikel befruchten und kryokonservieren lassen. We will see!

Alles in allem habe ich mir das Heulen in der Bahn im Anschluss an den Termin und den Kauf der Medikamente nur knapp verkneifen können. Und von da an, weicht sie auch nicht mehr von meiner Seite. Die Angst. Die ganze Woche schon klopft sie mir feundlich auf die Schulter. Zieht mir am Ohrläppchen und verschafft sich immer lauter werdend so langsam Gehör. Über Sorgen zur Punktion, einem schlechten Befruchtungsergebnis. Der Vorstellung, dass die Eier zu früh gehüpft oder auf unerklärliche Weise weggeschrumpft sind. Hin zu schrecklichen Schmerzen nach der Punktion und natürlich dem ausbleibenden Erfolg, hat sie so ziemlich alles im Repertoire, was den Kinderwunschkosmoms grau und bedrohlich wirken lässt. Ich habe Angst vor einer erneuten biochemischen Schwangerschaft. Davor, dass ich einfach nicht schwanger werden kann… blablabla… Was man eben so denkt. Das führt zu unterirdischer Laune und übermäßiger Dünnhäutigkeit. Ich will die Punktion nicht. Mecker. Mecker. Mau. Mau.

Fakten: Punktion, morgen Morgen gegen neun. Dann beginnt das Warten. Gegen Mittwoch wird dann wohl die Info folgen, wie viele es geschafft haben. Dann folgt später im Sommer eine kurze Urlaubsauszeit und dann endlich, so der Zyklus will, die Kryo.

Aber zuerst die Punktion. Undder folgt ein Wochende voller Schmerzen auf der Couch, mit Eiweißcocktails und gähnender Langweile! Nein, Stop! Als erfahrene Kinderwunschtante, weiß ich natürlich, dass einzig der Glaube an einen guten Ausgang Erfolg verspricht und korrigiere die Wochenendplanung: Es folgt ein entspanntes Wochenende mit viel Zeit für mich und gesunden Proteinshakes, in denen all meine acht Eier zu starken Blastozyten heranwachsen, die darauf warten in meinen embryofreundlichen Uterus zu ziehen und dort zu gesunden und glücklichen Babys heranzuwachsen.

Ihr seht, ich gebe mir große Mühe.

Der erste Teil des Plan…

…ist geschafft!  💪 seit gestern ist es amtlich. Ich habe meinen Master geschafft! Nach ein paar wirklich anstrengenden Jahren habe ich es ganz alleine (mit der besten Unterstützung meiner Frau) geschafft. Am liebsten würde ich eine Runde schreiend im Kreis rennen und all denen ins Gesicht schreien, die gesagt haben „Aus dir wird nichts! Du kannst nichts! Du bist hier falsch!“

Das hat mir in meiner Kindheit und meinem jungen Erwachsenleben schon sehr zugesetzt.

Und heute. Habe ich meine Master geschafft!  Mündliche und schriftliche mit 1,0! 👊

Ich danke euch Lieben für’s fleißige Daumendrücken und an mich glauben 💜

Der zweite Teil des Plans… an dem wird heute weiter gefeilt. Gerade bin ich auf dem Weg in die Kiwu-Klinik zum ersten Schall im Stimu-Zyklus. Der Bauch hat mittlerweile einige blaue Flecken und ich freue mich wie verrückt, dass es jetzt noch ein paar Wochen so weiter geht.. N O T 😂

Meine Frau hat die verrückte Idee, dass es dieses mal klappen muss, weil das mit dem Abschluss geklappt hat und das Kapitel abgeschlossen ist… und jetzt alles in meinem Körper bereit ist und verstanden hat, dass es losgehen kann 😅

Die Zeit bis zur Punkten werde ich sicher gut rumbekommen. Arbeit über Arbeit und dann ist es ja quasi schon bald soweit 😊

Bis dahin freue ich mich weiter über den Abschluss und halte das Gefühl fest. Vielleicht brauche ich es ja noch…

Downregulation und Update

Jaha, da bin ich. Die Masterarbeit hat mich fast verschluckt, aber ich habe den Kampf gewonnen. Es war knapp zum Schluss und nun hänge ich wirklich in den Seilen. Ausgebrannt. Mit Schlafstörung und ständig gereizt. Aber das ist der Preis für den hübschen Abschluss. Den ich fast erreicht habe. Am Dienstag (!) ist die mündliche Prüfung – Verteidigung – what ever. Und ich frage mich wie dolle sich das Lernen lohnt, weil mal im ernst. Wie intensiv lesen zwei Dozierende eine 100 Seiten lange Arbeit in drei Tagen? Ach, ich mag einfach nicht mehr. Aber gleichzeitig bin ich so YAI es ist fast geschafft. Nur die ultimative Freude und Glückseligkeit wollen sich nicht einstellen. Aber das ist immer so bei mir. Eine einsame Insel wäre jetzt was. Die einzigartige Frau. Ich. Und sonst nichts, außer dem Meer. In meiner Traumwelt habe ich nämlich keinen Hunger. So, also Endspurt ist angesagt. Und ich kann die Studienfreiheit riechen (duftet auch doll nach Wehmut).

ivf #2 aktuell reguliere ich noch down. Das Glas in dem ich die Spritzen sammle, füllt sich stetig. Das kack Deca-Zeug brennt ziemlich, aber ja was tut man nicht. Und zur morgendlichen Kaffee-Routine gehört jetzt eben auch Spritze aufziehen, Spritze reinstecken, Spritze rausziehen. Ist okay. Ich bin gefühlt weit weg von einem Gefühl zur ivf. Die erste war ja noch so spannend. Jetzt denk ich nur noch „Lass es schnell vorbei gehen“ und finde es so gar nicht mehr prickelnd, wie doll sich meine Eierstöcke in riesige Trauben-Dingsis (wie heißen die Dinger? Also das wo die vielen Trauben dranhängen mit denen Cleopatra gefüttert wird? Büschel? Äste?) verwandeln können. Wie gewohnt reagiere ich ziemlich auf alles was Hormone beinhaltet und deshalb könnte ich von einer Vielzahl kleiner unapppetitlicher Nervigkeiten berichten. Muss ja aber nicht sein.

Das Einzige was mich diesbezüglich belastet, weil es weder wegrationalisiert noch verdrängt werden kann, sind die Babys. Ich war gestern in einem Café das in einem hippen, ach was sag ich DEM magahippen Stadtteil liegt in dem sich viele Hipster-Mami’s und sehr viele wichtige reiche  Mami’s (tatsächlich habe ich da noch nie einen Papi gesehen! – kennt ihr Pleasantville? So sieht es da aus!) zum Chai Latte treffen und war mit unzähligen schaukelnden und lächelnden, Bauchstreichelnden und andere schwangere Mami’s treffenden Müttern konfrontiert, die total surreal im gemütlichen Schlendermodus ihre süßen kleinen Babylies durch die perfekte Wohngegend geschoben und getragen haben. Ja, ich gönne allen alles. Kein Scherz. Aber trotzdem zeigt es so brutal ehrlich, was wir nicht haben. Tags davor war ich auf einem Geburtstag einer Bekannten. Von sieben geladenen Freund*innen hatten zwei kein Baby. Eine davon hat erst Abitur gemacht und ist auch demenstprechend jung, die anderen waren wir. Ihr könnt euch vorstellen was so die vorherrschenden Themen waren? Jo. Gestern dann der Geburtstag der Schwägerin. Acht Personen im Biergarten. Drei anwesende Kinder. Ein unbekanntes neun Monate altes- nie habe ich ein so süßes Baby gesehen – schaut mich an, lacht breit und streckt die speckigen Ärmchen aus. Ich  musste mich mal schwer zusammenreißen, dass ich nicht das große Heulen anfange. Hatte auch Eyeliner drauf und wollte kein Panda-Make-Up risikieren. Ja. Acht Gäste jedenfalls. Zwei ohne Kind. Jetzt darf geraten werden, wer die zwei waren. Und was hier so die vorherrschenden Themen gewesen sind, liegt dann wohl auf der Hand.

Für mich sind zwei Dinge klar geworden.

  1. Ich will immer noch endlich bitte Mama werden.
  2. Ich will unbedingt dafür Sorge tragen, dass ich neben Mama auch noch etwas anderes bin und im besten Fall auch darüber berichten kann.. So über Kochrezepte oder wie man Bierkisten jongliert, während man die Wohnung saugt und der Frau die Füße massiert. Hach, das wäre schön.

Ach ja, Fakten: Mens kam pünktlich. Erster Schall nächste Woche. Dann der große Kiwu-Praxis-Marathon. Wenn die Träubchen gedeihen wie erwartet, PU am 27.07.2016.

Dann gibt es erst mal viel Arbeit und einen Urlaub und Transfer dann enstpannt am 30.08.

So weit der Plan. Fehlt nur der Erfolg.