Dann starten wir mal mit der Kryo- nicht!

Gestern an ZT 12 war es endlich soweit. Der erste Termin im neuen Zyklus, um mit der Kryo zu starten. Wir haben in den letzten zwei, drei Wochen also lediglich darauf gewartet, dass das Ei toll wächst, die Gebärmutterschleimhaut hübsch aufgebaut ist und es jetzt los gehen kann.

Dachte ich. Erinnerte ich aus dem letzten Kryo- Zyklus.

Beim Schallen zeigte sich links kein Follikel, rechts ein paar kleinere, davon einer ca 10-11 mm groß. Also noch weit entfernt von sprungbereit. Ich guckte ein bisschen enttäuscht. Da sagt der Arzt, da müssen Sie später noch mal zum Gucken kommen. Problem: Später sind wir im Urlaub. Weshalb ich fest darauf gehofft habe, dass der ES schon jetzt absehbar ist. Dann hätte ich im Urlaub ausgelöst und im Anschluss wären die auf Eis liegenden Krümel zurückgezogen. Aber nein. Warum auch bitte, sollte etwas in unserer Kinderwunschgeschichte so funktionieren, wie wir uns das wünschen.

Ich kann mein Genöle, meine Ungeduld, meinen Frust selbst selbst kaum mehr ertragen und doch ist all das da. Die Enttäuschung über die misslungenen Versuche, den Versuch im Alltag immerzu stark zu sein und mir nichts anmerken zu lassen, das Planen um die eventuelle Schwangerschaft herum, die zerplatzen Vorstellungen, der positive Schwangerschaftstest beim letzten Versuch und die anschließende Blutungen, all die Negativ’s, alles das hat mich in dem Moment überrumpelt als der Arzt gesagt hat „Dann warten Sie jetzt einfach auf die nächste Periode und dann schauen wir einfach im nächsten Zyklus!“

Ich stehe also in dem Besprechungszimmer, der Arzt vor mir und ich fange ernsthaft an zu heulen. Ich konnte es einfach nicht zurückhalten. Habe versucht die Zähne zusammenzubeißen und die Luft anzuhalten. Beides hat nichts genützt. Ich wollte wirklich tapfer sein, so wie sonst auch. Geklappt hat es nicht. Ich hab mich verabschiedet, bin raus, begleitet von seinem letzten Satz „Jetzt genießen Sie Ihren Urlaub erst mal!“,  und musste in der Kiwu-Klokabine erst mal zehn Minuten heulen. Und es war mir so peinich vor mir selbt. Später dann vor den anderen Menschen- ich musste ja irgendwann raus aus der Kabine. Mit zerquetschen, verheulten und knallroten Augen. So im Nachhinein dachte ich mir, wieviele Frauen wohl schon heulend auf dem Kloboden von Kinderwunschkliniken gesessen haben- verzweifel?

Eingekriegt habe ich  mich den ganzen Tag nicht so recht. Eine liebe Freundin ist von der Arbeit gekommen, als sie sich erkundigt hat, wie es mir geht. Das fand ich extrem toll und es hat auch wirklich gut getan, dass einfach jemand da war. Mich in diesem Moment ernstgenommen hat- so gut es eben geht, wenn man nicht betroffen ist vom unerfüllten Kinderwunsch.

Rational betrachet, das hat mich dann die eingeweihte Freundin gefragt „rational betrachtet verschiebt sich jetzt aber alles eigentlich nur um 4-6 Wochen?“ Ja! So ist es. Bei meinem Zyklus und so wie sich die Gesamtsituation nach all den Hormonspritzen darstellt wohl eher sechs. Und natürlich, es sind faktisch nicht mehr als sechs Wochen in denen es dann vielleicht klappt. Sechs Wochen, die den vergangenen jahrelangen Kinderwunschbock auch nicht mehr fett machen. Und dennoch…

Ich weiß nicht was in diesem Moment beim Arzt bei mir zerplatzt ist, aber es hat mich kalt erwischt. Ich bin so…. Ich weiß gar nicht genau was ich bin, wie ich mich fühle. Vorher war da Traurigkeit und Frust. Vorallem jedoch Ungeduld. Ich war schon sehr genervt von der schlechten Ausbeute dieses Versuchs bei der ICSI. Da war die Unsicherheit ob wir nicht doch direkt nach der Punktion den Transfer wollen und das Abraten des Arztes. Und nun tut es weh. Verzweifelt weh. Egal was wir machen, es macht keinen Unterschied. Das Ergebnis ist das Ergebnis ist das Ergebnis. Negativ. Dann das Karussel: Wieder nicht. Warum nicht. Wieso wir. Wieso ich. Wie lange noch. Und es verfestigt sich der Gedanke, ich möchte das nicht mehr. Will nicht mehr warten und hoffen und bangen und enttäuscht sein. Ich will einfach, dass es aufhört weh zu tun. Ich will nicht mehr daran denken. Vielleicht soll es einfach nicht sein. Vielleicht sollten wir es einfach lassen wie es ist. Zu zweit. In Ruhe. Karriere machen und viel Urlaub.

Ich habe den Eindruck von einem Blog über das Entstehen einer Regenbogenfamilie, ist ein Blog über unseren unerfüllten Kinderwunsch geworden. Etwas woran ich nie auch nur im Entferntesten gedacht hätte. Aber wer tut das schon im Vorfeld.

Und ich fühle mich als hätte ich versagt. Natürlich- rational, ich bin ja ein schlaues Köpfchen- weiß ich, dass das totaler Quatsch ist, aber es fühlt sich so an. Versagt, weil ich nicht optimistischer sein kann. Weil ich nicht einfach daran glauben kann. Weil ich mich nicht einfach damit abfinden kann, dass es eben nicht klappt. Weil ich heule und mich verzehre nach unserem Baby und mein Körper es nicht zu Stande bringt. Und auch, weil sich viele Frauen wahrscheinlich denken, was heult sie denn – schon wieder? Sie hatte doch erst 4 IUIs, 1 IVF, 1 ICSI und eine Kryo. Das ist sicherlich für viele keine große Odysee, angesichts einer Vielzahl von Frauen, die unzählige künstliche Befruchtungen über sich ergehen lassen haben. Es fühlt sich an als würde ich versagen, weil anderer in anderen Blogs und auf Insta immer so verdammt positiv wirken. Fünf Minuten brauchen um sich zu berappeln, sich einmal kurz schütteln und dann tapfer, strahlend und voller Optimismus in die nächste Warteschleife, den nächsten Versuch, den nächsten Urlaub ohne Baby starten. Ich schaffe das einfach nicht mehr lange Zeit am Stück. Breche immer wieder mal ein. Stolpere und verfange mich in einem Dickicht aus langfingrigen Verzweiflungsfäden, die sich in mein Gehirn bohren. Am Anfang ging das noch. Aber jetzt? Bin ich auf der Suche nach dem Ende und bin aktuell nicht sicher, wie es aussehen soll. Fast schon ist es mir egal.

Und vielleicht, ja wahrscheinlich, sieht die Welt nach unserem Urlaub auch schon besser aus. Tut die Sonne gut und die Erholung. Hat mein Kinderwunschherz Zeit sich zu regenerieren, bei soviel Quality-Time für die Beziehung und das Verliebtsein. Und dann im unendlich weit entfernten Oktober klappt es vielleicht mit dem Einzug der befuchteten Eizellen. Und vielleicht mit einem positiven Test. Vielleicht mit einer positiven Schwangerschaft. Einem gesunden Kind. Vielleicht, ja vielleicht aber auch nicht.

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13 Kommentare

  1. Ich kann dich wirklich gut verstehen. Es ist so zermürben und schmerzhaft. Bei uns war es am Ende Versuch Nummer 14 und es war keineswegs easy bis dahin. Weder für mich noch für meine Frau. Wir hatten die Hoffnung schon fast aufgegeben. Besonders meine Frau. Und jetzt liegt gerade unser kleines Wunder in meinem Arm. Uns hat tatsächlich manchmal eine Pause geholfen. Wie sehr unser Fokus ständig auf dem Thema lag und wie groß deshalb auch ständig unsere Anspannung war haben wie erst in der Schwangerschaft gemerkt. Als auf einmal alles so entspannt war. Gib nicht auf und weinen ist erlaubt. Das ist anstrengend und hart und kein Spaziergang.

    1. What? 14 Versuche? Insgesamt, oder alles ivf’s? 😲

      Wie wunderschön, dass es bei euch dann nach so vielen Versuchen dann doch geklappt hat. 😊 Wie habt ihr es geschafft so lange weiterzumachen ?

      1. Ich versuchs mal kurz zusammenzufassen:

        zuerst habe ich es versucht, d.h. bei mir

        2013 vier Inseminationen im natürlichen Zyklus mit Eisprungtests in einer Klinik in Dänemark (wir wohnen in Süddeutschland, das war richtig Stress) mit eingefrorenem Spendersamen aus einer Samenbank (Ergebnis: eine Schwangerschaft mit frühem Abgang beim 1. Mal, danach kein Erfolg mehr). Dann noch mal zwei Inseminationen im natürlichen Zyklus mit eingefrorenem Spendersamen in Deutschland (Ergebnis: Ende 2013 eine Eileiterschwangerschaft und zwei Not-OPs).

        2014 eine ICSI (aus Angst vor einer erneuten Eileiterschwangerschaft) mit dem Spendersamen: 11 reife Eizellen entnommen, alle 11 befruchtet, alle 11 losgewachsen, aber nach fünf Tagen nur eine in dem Stadium angekommen, wo sie hätte sein sollen (Blastozyste). Trotzdem zweimal Transfer mit je zwei befruchteten Eizellen (Ergebnis: negativ).

        2015 mit einem Spender, den wir übers Internet gefunden haben fünf Heiminseminations-Versuche bei meiner Frau (da ich gerade erst den Job gewechselt hatte). Der letzte von Ihnen mit Progesteron, da ihr Spiegel nicht stimmte, das ritt sie in eine heftige psychische Krise (schwere Depression, die Monate anhielt).

        Also im Oktober 2015 wieder Wechsel auf mich. Mein erster Vesuch mit dem Spender und unser insgesamt 14.. Der war spontan erfolgreich.

        Wie wir es geschafft haben, so lange weiter zu machen kann ich Dir rückblickend nicht mehr sagen. Freunde haben uns das auch immer wieder gefragt bzw, gesagt, dass sie es schon längst aufgegeben hätten an unserer Stelle. Es war auch eine echte Belastung. Für jede von uns und für unsere Beziehung. Wir haben uns zwischendurch auch Unterstützung geholt und ein paar Stunden eine Paarberatung in Anspruch genommen.

  2. Ich weiß auch noch gut, dass der Aufschub um wenige Wochen mir immer ganz, ganz schlimm vorkam. Als wäre es überhaupt nur in diesen Wochen möglich, dass es klappt. Dabei würde man ja auch Jahre in Kauf nehmen, wenn man nur wüsste, dass es dann aber sicher klappt. Tut mir sehr leid! LG Tina 🌷

  3. Mich haben deine Worte und Gedanken sehr bewegt.
    Sie könnten genauso von mir stammen – ich habe gerade nochmal in meinem Tagebuch aus der Kinderwunschzeit nachgelesen und vieles ähnelt sich erschreckend…

    Versucht im Urlaub etwas den Kopf freizubekommen und dann gestärkt in den nächsten Versuch zu gehen!

    Ich drück euch die Daumen

    1. Liebe Jana, danke für deinen Kommentar. Es ist schon seltsam, and ich fühle mich immer ein bisschen weniger „verrückt“, wenn ich lese, dass andere Frauen auch so empfinden.
      😳

  4. Ach verdammt, das tut mir leid. Ich kann gut verstehen, dass dich der Aufschub mitnimmt. Für andere mag ein Monat vielleicht erträglich klingen, aber mit all dem nervenaufreibenden Warten, das man in der Kinderwunschbehandlung durchstehen muss, kann dieser Monat eben genau der Tropfen sein, der das Faß zum Überlaufen bringt.
    Ich hoffe, ihr könnte euren Urlaub trotzdem genießen. Ich drücke euch die Daumen für Oktober.

    1. Ja,richtig, so hat es sich angefühlt. Wie der Tropfen im Fass. Sehr faszinieren, wie die seit sich plötzlich auszudehnen scheint, wenn man sich etwas wirklich wünscht 😥

      Lieben Dank für deine Wünsche ☺ Ich drücke für euren Versuch weiterhin noch fest die Daumen! ✊
      Und wünsche dir einen guten Termin mit anschließender Runde im Park,die dich positiv in die Zukunft schauen lässt – so, oder so. Aber am liebsten mit einem positiv! 🐞

  5. Das muss auch manchmal alles mal raus. Man belügt sich selber mit diesem Schutzpanzer den man sich umlegt.
    Dann sind da noch die ganzen Hormone die den Körper und das Befinden auch auf den Kopf stellen.

    1. Danke 🌼 ich denke auch, den Stress den man sich und seinem Körper/Kopf mit den Hormonen antut, den unterschätzt man schon ab und zu. Ich z.B. habe erst vor kurzem wirklich (!) darüber nachgedacht, was das für meinen Körper bedeuten muss.

  6. Weinen tut gut. Und reinigt die Seele. Irgendwann muss der ganze Mist, der ganze Schmerz, all die enttäuschte Hoffnung und was sonst alles raus. Einfach nur raus.
    Ich habe oft geheult. Ja, auch im Klo in der KiWu-Praxis. Auch im Sprechzimmer. Selbst im Behandlungs- sowie im Blutabnahme-Raum. Mei. Was soll’s?!
    Versuch nicht so streng mit dir zu sein. Die Kinderwunsch-Zeit IST unfassbar hart und anstrengend.

    Ich wünsche euch einen megatollen Urlaub in dem ihr tatsächlich abschalten könnt.

    Alles Liebe!

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