Gesundheit

Schmetterlinge im Bauch

Heute habe ich beschlossen glücklich zu sein.

Es ist mir egal, welcher Regierungspinkel uns zu Eltern zweiter Klasse degradieren will. Wir werden eine Familie. Wir werden Mama’s. Wundertolle Mama’s. Welche, die ihr Baby erkämpft haben und somit schon vor der Zeugung fest bewiesen haben, wie sehr das Kind willkommen ist und geliebt werden wird. Heute bin ich glücklich und ergänze das möpige gestern.

Also zu 1.

Der Termin Nr. 2 stand an. Der Kinderwunschzentrums-Doc war herzig und kompetent wie beim ersten Besuch und ich hatte das Gefühl, genau in dieses Zentrum zu gehören.

Im Sprechstundenzimmer angekommen, gab es gar kein Problem mit unserem Wunsch nach der IVF (wir sollten noch mal tief in uns gehen, ob die IUI nicht doch noch mal ausprobiert werden soll- soll sie nicht!). Mit meinen Werten ist alles schick. TSH  ist spitze und ich bin „welch ein Glück“ gegen Röteln,Windpocken und Co. imun. Yai. Die anderen Tests sind auch gut und so war noch Zeit für unseren Zettel voller Fragen. Und wir hatten eine Menge 😀 Es konnte alles geklärt werden und plötzlich, alle Fragen gefragt, zaubert der gute Kinderwunschzentrums-Doc einen Zettel hinter dem Rücken hervor. Auf dem steht „Antagonistenprotokoll (kurzes Protokoll)“. Unser Behandlungsplan. Glänzend und neu. So hübsch und mit deutlich weniger Hormonbombem als erwartet.

Worte wie Engelschöre (Entschuldigt den rosa-glitzer-kitsch- ich habe vorgewarnt 😉 ) „ab dem 22. Zyklustag, kann es losgehen!“

Ist das nicht der Hammer?! So lange ging es nicht voran, warten, tausend Termine und negative IUI’s und nun? (Ja, ich weiß, das fast wichtigste fehlt noch!) Könnte es in 22 Tagen losgehen. Wir haben alle Rezepte uns sollen uns schon mal ans Bestellen machen, damit zum Starttermin auch alles vorrätig ist. Muhaaaa!

Wenn wir mal ganz großes Glück haben, und die Samenbank sich mit der Kiwu-Klinik noch in den nächsten zwei Wochen einigt, dann könnte/könnte/könnte es noch in diesem- morgen beginnenden- Zyklus beginnen. Aber ganz bestimmt im nächsten.

Wahnsinn!

Die Medikamentenliste

  • Estradiol (macht die Gebärmutter kuschelig)
  • Gonal F (zur Stimulation der Eierchens)
  • Orgalutran (zum Unterdrücken des ES)
  • Utrogest

Wir haben uns für das Kuktivieren bis zum Blasozystenstadium entschieden und wollten eigentlich zwei Blubbels zurückbekommen. Der Arzt ist allerdings für nur einen Blubbel. Argumente dafür: mein Alter und die seiner Meinung nach ohnehin sehr hohe Wahrscheinlichkeit einer eintretenden Schwangerschaft. Wir werden es wohl abhängig von der Qualität machen.

Ob das ganze Glück mit der Klinik daran liegt, dass der erste Termin am Hochzeitstags-Datum war und der zweite am Monatstag des Zusammenkommens? ❤  Egal! 🙂

Schocker der Woche

Meine Frau klagte seit über einer Woche über ein sich ausbreitendes Taubheitsgefühl, der linken Körperhälfte. Dazu kamen Sensibiliätsstörungen und ein allgemeines Abgeschlagenheits- und Müdigkeitsgefühl. Ich gehöre nicht unbedingt zu der Sorte Mensch, die bei jedem Piep gleich zum Arzt rennt, aber das kam selbst mir dann seltsam vor. Ich habe sie also zum Arzt geschickt. Sie ist erst vier Tage später gegangen. Der Hausarzt hat sie nach der Untersuchung mit einer Überweisung und mit den Worten „Ich hoffe, mein Verdacht bestätigt sich nicht!“ in die Notfallneurologie verabschiedet. Sein Verdacht war eine Entzündung der Nerven.

Wir sind noch am selben Abend in die neurologische Notaufnahme einer großen Uniklinik gefahren und haben nach diversen ersten Tests in sehr ernste Gesichter geschaut. Nachdem uns empfohlen wurde, dass meine Liebste stationär aufgenommen werden sollte, aber leider kein Bett frei sei, wurden wir freundlich verabschiedet. Wir sollen am folgenden Tag einen Anruf erhalten, bei dem uns dann mitgeteilt würde, wann sie stationär aufgenommen werden kann.

Natürlich war der Schock erst mal groß. Aber da ich meine Frau kenne, habe ich darauf bestanden von der Ärztin gleich eine ungefähre Richtung zur Diagnose zu bekommen (die Liebste gehört zur Gattung „ergoogle dir die Krankkheitswelt- wie sie dir gefällt“. Und da war die Luft im Raum plötzlich ziemlich dünn. Ob wir schon gegoogelt hätten. Ein Nicken links von mir, Kopfschütteln auf meiner Seite. Gut, so die Ärztin, dann wären uns ja sicher schon die zwei Buchstaben begegnet, die wir erwarten könnten. MS. Kein Grund zur Panik. Vorerst nur ein vorläufiger Verdacht. Der Kopf war leer. Und gedacht hat eigentlich erst mal keine von uns mehr irgendwas.

Am nächsten Tag erfuhren wir dann, dass wir auf ein freies Bett in besagter Klinik ca. drei Wochen warten müssten, es wurde empfohlen eine andere aufzusuchen. Während wir den Vormittag über auf diese Absage gewartet haben, war ich noch zur hormonellen Zyklusüberwachung bei meiner Gyn und habe mir Blut abzapfen lassen.

Im Anschluss ging es dann in eine andere städtische Klinik, wo wir in der Notfallambulanz gewartet haben. Fest davon überzeugt uns nicht mehr wegschicken zu lassen. Es hat nicht lange gedauert, bis wir aufgerufen wurden, was bezeichnend war, da die Patient_innen nicht nach Wartezeit sondern nach Schwere der Erkrankung aufgerufen werden.

Es gab dieselben neurologischen Tests. Und dieselben ernsten Gesichter. Innerhalb von zehn Minuten war klar, der MS Verdacht erhärtet sich und meine Frau wird stationär aufgenommen. Für eine erschöpfende Anzahl von neurologischen Tests.

Die nächsten Tage waren der Horror und irgendwie ziemlich unwirklich. Neben einer sehr alten Zimmernachbarin, die mit Durchfall das Bad verzierte, der unerträglichen Hitze in einem natürlich nicht klimatisierten Flachdach-Krankenhaustrakt-Zimmer stand das Warten auf die Horror-Diagnose aus.

Ich bin gependelt zwischen Krankenhaus und Zuhause. Musste meine Frau leiden sehen. War überwältigt von dem Gefühl, dass sich das Leben in einer Sekunde ändern kann. Voller Optimismus und unglaublicher Sorge. Meiner Liebsten wurde Hirnwasser mit einer Lumbalpunktion abgezapft (die Ärztin hat sich nur drei Mal verstochen und ihre Tätigkeit mit den Worten „Ja, das tut mir leid, ich komm hier hinten an der Wirbelsäule nicht durch ihren Knochen!“ ergänzt). Es gab ein Halswirbel- und Brustwirbelsäulen MRT; am folgenden Tag ein Schädel-MRT und eine Kette von neurologischen Tests für Augen und Ohren.

Nachdem im/am Halswirbel ein Entzündungsherd entdeckt wurde und das Hirnwasser Entzündungswerte aufgezeigt hat, wurde dann eine fünftägige Kur mit sehr hochdosiertem Cortison begonnen. Jeden Tag. Fünf Stunden Infusion. Der Verdacht der Multiplen Sklerose wurde von einer Assistenzärztin bestätigt. Ich war jeden Tag da. Von morgens bis abends. Und wenn ich zuhause war, dann habe ich Wäsche gewaschen (fürs Krankenhaus) war Einkaufen (für die Liebste im Krankenhaus), habe aufgeräumt, saß im Auto. Habe recherchiert und geweint. War alleine und wollte stark sein.

Wir haben uns seltsamerweise nicht so unglaublich gesorgt, mehr darüber gesprochen, dass und wie wir alles gemeinsam schaffen werden. Unsere Eltern waren geschockter. So schien es zumindest. Wir lieben uns. Egal was passiert. Was wir vorher vor einem knappen Jahr bei unserer Hochzeit versprochen hatten, war nun plötzlich als echte Tatsache da.

Am Montag, nach fast einer Woche im Krankenhaus, gab es ein abschließendes Gespräch mit der Oberärztin, nachdem eine zweite Assistenzärztin innerhalb von zwei Stunden einmal unglaublich überzeugt gesagt hat, dass meine Frau Multiple Sklerose hat und zwei Stunden später meinte, es sei auf keinen Fall MS. Es war ein furchtbares Gefühl so abhängig zu sein. So ausgeliefert. So unsicher. Multiple Sklerose ist ja nun kein Schnupfen.

Die Oberärztin erklärte uns dann, dass Assistenzärzt_innen dazu neigen, die auf eine MS hindeutenden Ergebnisse (entzündliches Hirnwasser und Entzündungsherd im RückenmarkHalswirbelbereich) auch als solche zu verkaufen. Tatsache ist aber, dass diese zwei Ergebnisse erst mal nur für eine Myelitis sprechen. Das bedeutet eine Entzündung des Rückenmarks. Es ist allerdings richtig, dass das in dem Fall meiner Liebsten eine autoimmune Erkrankung ist, die schon lange in ihr schlummert. Falls die Entzündungen wieder auftauchen, könnte das auf eine MS hinweisen. Bzw. wäre sie bei auftauchen mehrerer Entzündungsherde bestätigt. So lange ist es „nur“ eine Myelitis.

Es bleibt also nichts weiter als zu warten und zu hoffen, dass es kein zweites Mal gibt. Bis dahin die Nebenwirkung der enorm hohen Cortisongabe auszusitzen. Und irgendwie diesen Schock zu überwinden. Heute ist sie den zweiten Tag wieder zu Hause.

… und das fehlte noch

Gleich gestern habe ich dann passenderweise auch noch ein Gespräch bzgl. meines unbefristeten Vertrags gehabt, auf den ich seit zwei Jahren warte. Wegen dem wir den Kinderwunsch aufgeschoben haben. Eigentlich war das Gespräch nur noch Formsache. Es war nämlich eigentlich alles klar. Nach den zwei Jahren, mit jeweils ein Jahres-Befristung, die ich für meinen AG arbeite, darf ich eigentlich nicht noch mal eine befristete Verlängerung erhalten. Aber. Ja, aber. In meinem Fall und weil ich im Anschluss an den Masterabschluss noch ein Anerkennungsjahr machen werde, wird die Befristung um eine weiteres Jahr mit besonderem Grund legitimiert. Und es folgt: Ein weiterer Ein-jahres-Arbeitsvertrag. Nach dem sich anschließenden Praktikums- bzw. Anerkennungsvertrag kommt dann (fest versprochen) der unbefristete. Da bin ich dann 32 Jahre alt. Mindestens. Also noch laaange Zeit Kinder zu bekommen. Abgesehen davon finde ich es schlimm, weil ich erst aktuell feststellen durfte, dass man nie weiß was passiert und wenn plötzlich so eine Krankheit im Raum steht, die das ganze Leben verändert, dann wäre es doch auch irgendwann schön zu wissen, dass man wenigstens finanziell und arbeitstechnisch abgesichert ist. Aber nein. Wieso auch?

Am Optimismus festhaltend, bin ich trotzdem erst mal bedient. Von der Gesamtsituation. Ich meine (wohlwissend, dass das nichts bringt!) was soll das denn bitte alles?!!